Damenmannschaft GCN goes International

Lara Tonbak geht seit August auf die Shattuck-St. Mary’s High School in Minnesota.

Laura Weber Bernardo studiert 1.100 Kilometer weiter südlich Maschinenbau an der Arkansas Tech.

In der geographischen Mitte der beiden ist Lia Rody an der University of Illinois. Sie studiert seit letztem Januar in Springfield und belegt die Fächer Psychologie und Nursing.  

Alle drei haben sich Zeit genommen, um 6 Fragen zu beantworten, wobei manche Antworten gekürzt werden mussten.

1) Wie ist es dir in deinem ersten Jahr in Amerika ergangen?

·      Laura W.B.: Es hat mir insgesamt sehr gut gefallen, auch wenn es zum Teil echt viel war, das Akademische und das Sportliche unter einen Hut zu bekommen. Die Leute sind sehr nett und dadurch hatte ich insgesamt ein gutes erstes Jahr.

·      Lia R.: Mein erstes Jahr war eine Herausforderung, da sehr vieles neu und ungewohnt war. Ich war zuvor noch nie in den USA und auch noch nie über einen längeren Zeitraum von meiner Zwillingsschwester getrennt. Gleichzeitig habe ich unglaublich viel Neues gelernt und meinen Horizont erweitert, sowohl kulturell als auch akademisch und sportlich. Rückblickend war es eine sehr prägende Erfahrung.

2) Was sind die größten Unterschiede zu Golf in Deutschland?

·        Lara T.: Der Sport wird deutlich mehr gefördert, das Training ist vielseitiger und es gibt mehr Turniere. Negativ ist mir aufgefallen, dass die jugendlichen Golfer weniger hilfsbereit sind und dir z.B. beim Suchen deines Balls nicht helfen.

·        Lia R.: Die Größe der Turniere und das deutlich höhere Spielpensum. Es kommt zwar immer auch auf die Uni an, aber ich würde sagen, dass viele Coaches anders ausgebildet sind wie typische PGA Professionals in Deutschland. Die Coaches in den USA erfüllen vor allem auch eine organisatorische Rolle.

3) Wie habt ihr trainiert?

·      Lara T.: Wir hatten zweimal pro Woche Krafttraining im Team. Im Sommer haben wir viel Platztraining gemacht, mit Spieltaktik und Spielverständnis. Im Winter haben wir uns Indoor um die Technik gekümmert, mit Trackman, Flightscopes und Skytrack Geräten. Auf einem Indoor-Grün haben wir am kurzen Spiel gearbeitet. Wir haben auch die mentale Seite des Spiels analysiert, dadurch habe ich viel neues gelernt, um mein Spiel zu verbessern.

·      Laura W.B.: Bei uns waren es auch 2-3 mal die Woche um 6 Uhr morgens Fitness. Und jeden Tag direkt nach dem Unterricht 1,5-2 Stunden Golf-Training. Wir hatten deutlich mehr Platztraining. Außerdem lag der Fokus auf Platztaktik, um zu lernen “schlau“ zu spielen.

4) Wie sieht ein Spieltag bei euch aus?

·      Lia R.: Am College geht ein Turnier meist über drei Tage und der Wettkampf umfasst insgesamt 54 Löcher. Am ersten Tag reisen wir an und spielen die Proberunde, oft ergänzt durch eine weitere Trainingseinheit. Am ersten offiziellen Turniertag werden meist 36 Löcher gespielt, am zweiten Turniertag folgen die letzten 18 Löcher.

·      Laura W.B.: Eine große Umstellung ist die Anreise. Alles bis zu 10 Stunden Entfernung fahren wir im Van, alles drüber wird geflogen. Bei fast allen Turnieren sind es zu viele Teams (bis zu 15 Mannschaften) für die oft zu kleine Driving-Range; die ganze Mannschaft wärmt sich also auf maximal zwei Abschlagplätzen auf und man rotiert mit seinen Mitspielern, um sich warm zu machen. Die Turniere beginnen oft sehr früh mit einem Kanonen-Start. Jeder beginnt an einem anderen Loch, sodass jeder zeitgleich fertig wird. An den 36-Loch Spieltagen gibt es oft keine Pause; das Mittagessen bringt dir dein Coach und man muss während dem Spielen essen.

·      Lara T.: An der High School ist es etwas anders. Wir fliegen donnerstags aufs Turnier, spielen freitags dann Proberunde und haben samstags + sonntags Wettkampf mit je 18 Loch. Das Bag muss immer getragen werden. Die Trainer sind zwar auf der Anlage dabei, dürfen aber während der Runde keinen Kontakt mit uns haben. Montagmorgens, meist gegen 3 Uhr nachts, verlassen wir dann das Hotel, um wieder zurückzufliegen, sodass wir nachmittags noch den Unterricht besuchen können.

5) Hast du Tipps für Jugendliche, die sich überlegen ebenfalls in den USA Golf zu spielen?

·      Lara T.: Es ist eine Erfahrung fürs Leben, aber du musst es zu 100% wollen, da du vieles aufgibst, wie Familie, Freunde und den Rhythmus, den du gewohnt bist. Es wird dich aus deiner Komfortzone rausholen, aber wenn du das zulässt, wird es dich und den Blick auf dein Leben verändern. Es ist eine unfassbar tolle Sache, die dir Freunde und Erinnerungen fürs Leben bringt.

·      Laura W.B.: Wirklich gut überlegen, ob es etwas für dich ist. Viele brechen nach dem ersten Jahr ab, weil es zu viel ist. Es werden hohe Erwartungen gestellt, also sollte man auch schauen, in welcher Division man sich besser fühlt. Vereinfacht gesagt: Je höher die Division, je weniger Sozialleben. Es geht am College mehr oder weniger nur um die akademische Leistung und die Leistung im Golf. Es hilft bestimmt, wenn du im Voraus mit dem Team in Kontakt kommst (z.B. über Telefonate) und du dich mit deinem Coach wohl fühlst, da du mit denen viel Zeit verbringen wirst.

·      Lia R.: Der Schritt wirkt anfangs vielleicht groß, aber er bietet unglaublich viele Chancen. Gleichzeitig sollte man sich bewusst sein, dass die kulturelle Umstellung Zeit braucht und mit Herausforderungen verbunden sein kann. Wenn ich den Weg noch einmal gehen würde, würde ich mir eine gute Agentur suchen, die mich bei der Auswahl der passenden Schule unterstützt, gerade wenn man sich mit dem amerikanischen College-System noch nicht auskennt. Außerdem würde ich empfehlen, die infrage kommenden Schulen - wenn möglich - persönlich zu besuchen. So bekommt man ein viel besseres Gefühl dafür, ob man sich dort für mehrere Jahre wohlfühlen und erfolgreich studieren kann.

6) Worauf freust du dich jetzt im Sommer in Deutschland am meisten?

·      Lara T.: Auf viele neue Erlebnisse mit der Damenmannschaft! Bei jedem Spieltag dabei zu sein und einfach die immer gute Stimmung und den Support zu genießen. Ebenso freue ich mich Zeit mit meinen Freunden und Familie zu verbringen.

·      Lia R.: Bei mir ist es das Gleiche. Am meisten freue ich mich auf die Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden. Außerdem freue ich mich auf das deutsche Essen!

·      Laura W.B.: ja, definitiv das Essen und wieder für die Neckartaler Mannschaft zu spielen!

 

Danke Mädels, dass ihr euch die Zeit für das Interview genommen habt und eure Erfahrungen mit allen Mitgliedern teilt.

Weiterhin viele tolle Erfahrungen und sportliche Erfolge in den USA, wo wir auch auf den Insta-Kanälen eurer Teams verfolgen. Und bis dahin natürlich noch 3 großartige Spieltage in der DGL.

Ciao for Now,
Kristin Fischer, Co-Captain Damen, Captain AK30 und nebenberufliche Sport-Reporterin

10.06.2026

von Kristin Fischer

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